KIRCHHOF

der evangelischen Kirchengemeinde
St. Bartholomäus

Herbstimpression, Block zum tor

Historie

Am 25. Oktober 1894 fand auf unserem Friedhof die erste Bestattung, die des Kutschers Johann Masurath, statt. Damals zwang der preußische Staat alle anerkannten Religionsgemeinschaften, für die ersten und letzten Dinge Sorge zu tragen, also neben Schulen auch Krankenhäuser und Friedhöfe für ihre Gemeinden zu unterhalten. Durch das rasche Bevölkerungswachstum während der Gründerzeit in Berlin wurde es auf den Friedhöfen der Georgengemeinde, die bisher mitgenutzt werden konnten, eng und ein eigenes Areal für die Bestattungen der Bartholomäusgemeinde wurde gesucht.

1892 konnte ein Grundstück an der Chaussee nach Freienwalde in Weißensee erworben werden. Das Grundstück umfasste nur eine Hofbreite samt Bauernhaus, Altenteil und Scheune. Erst nach 160 Metern erschloss sich das eigentliche Friedhofsgrundstück. Hier, wo Wiesen und Obstplantagen einen niedrigeren Grundstückspreis ermöglichten, breitet sich das Friedhofsfland auf zehn Hektar aus. Für den Grundstückskauf wurde eine Bankanleihe aufgenommen, welche über den Zeitraum von beinahe fünfzig Jahren zurückgezahlt wurde.

Die Zufahrtsstraßen blieben lange ungepflastert, Anträge auf einen Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz wurden 1908 und 1933 abgelehnt. Wahrscheinlich war die damals schlechte Erreichbarkeit ein Grund dafür, dass der Bartholomäus-Kirchhof immer ein Friedhof der einfachen Leute blieb. Die wohlhabenden Gemeindemitglieder zogen die innerstädtischen Friedhöfe vor. Dort konnte der Bank- mit dem Fabrikdirektor um die höhere Exklusivität tempelartiger Grabhäuser wetteifern. Auf dem Bartholomäus-Kirchhof finden sich keine Mausoleen oder größere Grabanlagen.

Genutzt wurde der Kirchhof auch von den Tochtergemeinden, der zeitgleich mit dem Friedhof entstandenen Immanuel- und der 1906 gegründeten Adventgemeinde. Seit 1915 werden auch Verstorbene beigesetzt, die nicht zu diesen Gemeinden gehörten.

Die seit 1994 denkmalgeschützte Gesamtanlage mit ihren Sichtachsen, dem Ensemble von Kapelle, Portal und Verwaltungsgebäude blieb ohne Umbauten im Originalzustand erhalten und bezeugt bis heute die hohe Friedhofskultur des späten 19. Jahrhunderts. Mittlerweile finden hier jährlich wieder etwa 160 Beisetzungen statt und bis zu fünf Mitarbeiter sorgen für den Erhalt und Betrieb des Kirchhofs. Seit 2013 ist an diesem naturnahen Ort neben den klassischen Formen der Beisetzung auch eine Waldbestattung, mitten in der Stadt, möglich. Damit ist der Kirchhof der erste und einzige Friedhof in Deutschland auf dem ein Friedwald eingerichtet wurde.